Siegen-Niederschelden – Sportplatz im Rosengarten

Zu Gast bei: SuS Niederschelden-Gosenbach – SV Fortuna Freudenberg // Bezirksliga Westfalen Gruppe 5 // Endstand: 3:3 // Zuschauer: 120 // 01.03.2020

In Nordrhein-Westfalen die Bratwurst kaufen und in Rheinland-Pfalz das Spiel schauen. Das geht wahrscheinlich nur in Niederschelden. Der Stadtteil von Siegen liegt an der Grenze dieser beiden Bundesländer, der Sportplatz im Rosengarten wird sogar von der Grenze durchschnitten. Das führt zu allerlei skurrilen Situationen, wie Niederscheldens Ehrenvorsitzender Günter Nöll dem erstaunten Gotthilf Habedurst berichtet: “Als wir jüngst unseren Kunstrasenplatz erneuert haben, mussten wir Fördergelder bei zwei Kommunen beantragen. Der Stadt Siegen in NRW und der Gemeinde Mudersbach in Rheinland-Pfalz.” Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Instanzen laufe aber sehr gut, so Nöll. Und die Gemeinde Mudersbach fühlt sich auch für ihren rund ein Drittel großen Anteil am Platz mitverantwortlich und das, obwohl Niederschelden am Fußball in Westfalen teilnimmt.

Die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und NRW verläuft am rechten Bildrand in der Nähe der Seitenaus-Linie.

Ob er das Spiel lieber von NRW aus schaue, oder von Rheinland-Pfalz? Das spielt für Günter Nöll keine große Rolle. “Ich bin auch der Stadionsprecher und halte mich am liebsten dort auf, wo nicht allzu viele Leute um mich herumstehen. Das kann mal in NRW sein, mal in Rheinland-Pfalz”, berichtet der Ehrenvorsitzende des SuS Niederschelden. Hin und wieder kämen auch Mudersbacher nach “Schelden” um sich an Bezirksligaspielen der Südwestfalen zu erfreuen, berichtet Nöll. Auf dem Platz gehen also die Spieler an ihre Grenzen, die Zuschauer oft darüber hinaus.

Grenzenlose Freude bietet hingegen das Panorama, in das der Sportplatz im Rosengarten eingebettet ist. Er liegt an einer Waldlichtung hoch über Niederschelden. Rundum weht der Wind durch die Tannen und Fichten. Hinter einem der Tore plätschert ein Bach, dessen Quelle hoch oben auf dem Berg liegt. Hier ist die Welt noch in Ordnung. In den Bergen rundum den Sportplatz wurde früher nach Eisenerz gegraben. Ein echter Kumpelverein sei der SuS Niederschelden dennoch nicht, so Nöll. “Das ist lange her. In den großen Zeiten des SuS Niederschelden haben die meisten eher in der Eisenverhüttung, also in den großen Hüttenwerken hier im Siegerland gearbeitet.”

Die großen Zeiten des SuS Niederschelden meint übrigens die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als der Stadtteilverein in den obersten Ligen Westfalens mitmischte, dabei mehrfach gegen den Stadtrivalen Sportfreunde Siegen antrat und jeweils bis zu 9.000 Zuschauer hoch zum Rosengarten strömten. In der Ausscheidungsrunde um die Westfalenmeisters 1952/53 mussten die “Schelder” gegen Preußen Münster und deren 100.000-Mark-Sturm ran. Dort zogen die Siegerländer aber den Kürzeren. Seit einigen Jahren machen es die “Schelder” sich in der Bezirksliga bequem.

Insgesamt muss man sagen, dass der SuS Niederschelden ziemlich viel von dem bietet, was sich Gotthilf Habedurst unter einer gelungenen Amateurfußball-Veranstaltung vorstellt. Einen netten Ground mit Stufen, einer schönen Umgebung, Eintrittskarten, lokales Bier (Erzquell –> durchaus bekömmlich) und eine gute Bratwurst, die zwar recht fein, dafür aber sehr pikant gewürzt ist. Sammelfreudige Menschen bekommen sogar Fanartikel, wie zum Beispiel Wimpel. Auch ein kleines Mysterium hat der Verein zu bieten. So fragt sich mancher, der sich vor Ort nicht auskennt, warum denn der Verein eigentlich “SuS Niederschelden-G.” heißt. Also was soll dieses G.? Die Antwort folgt auf den Fuß: Das bedeutet Gosenbach, ist ein Nachbarort von Niederschelden und war ursprünglich Teil des Vereins, bis sie dort ihren eigenen Verein gegründet haben. “Aus historischen Gründen haben wir die Gosenbacher aber im Vereinsnamen belassen”, sagt Günter Nöll. Außerdem kämen auch immer noch einige Gosenbacher regelmäßig zu den Spielen des SuS. Echte Grenzgänger eben.

2 Kommentare

Frank Debray

Hallo Jonas, besteht die Möglichkeit, den Artikel auf unserer Homepage zu veröffentlichen? Gruß aus Niederschelden, Frank Debray, SuS Niederschelden.

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Jonas

Lieber Frank, das könnt ihr sehr gerne tun. Ich freue mich über Quellen-Nennung. Dann könnt ihr das ohne Probleme bei euch drauf stellen. Viele Grüße ins schöne Siegerland

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