Eichenzell – Sportanlage Tannenhof

Sportanlage Tannenhof, FC Britannia Eichenzell – SV Adler Weidenhausen 2:0, 20.09.2020
🗓 70/2020
🏟 498
👨‍👩‍👧‍👦 89
⚽️ Verbandsliga Hessen-Nord

Podcast „Funkhaus Habedurst“:
“Rule Britannia!”

„Rule Britannia“ , oder wie der hippe Vorstadt-Teenager heute sagen würde: „Britannia regelt, Bruder!“ Das war das Motto des sonntäglichen Osthessen-Ausfluges. Und da sind wir auch schon beim Thema. Wer in Osthessen Hoppen geht, kommt an vielen Vereinen nicht vorbei. Zu diesen Vereinen gehört auch der Verbandsligist Britannia Eichenzell. Beim Verbandsliga Hessen-Nord-Gipfel gegen den Verein aus der Gonnermann-Stadt Weidenhausen, musste Gotthilf vieles herausfinden. Unter anderem, warum sich ein Verein nach einem inzwischen brexitierten Kleinkontinent benennt. Dieser Frage galt es in Sherlock-Holmes-Manier 🕵️‍♂️ nachzugehen.

Wer könnte da besser als Zeuge helfen, als Derjenige, der die Vereinschronik recherchiert und schreibt? Matthias Greif, wieso heißt denn nun die Britannia Britannia?

“Es gab zu unserer Gründungszeit 1911 mehrere Vereine mit dem Vornamen Britannia. Das war als Reminiszenz an das Mutterland des Fußballs gedacht. Zudem hatten wir englische Gastarbeiter hier, die den Verein mitbegründet haben. Es ist momentan so, dass es nur noch zwei Britannia-Vereine in Deutschland gibt. Neben Britannia Eichenzell ist das Britannia Solingen. Wegen der Feindschaft zwischen dem deutschen Reich und den Briten zwischen den Weltkriegen haben dann aber viele Vereine den Namen gestrichen. Teilweise wurde der Name sogar verboten. Zum Beispiel in Bad Hersfeld. Die (heutige SG Festspielstadt, Anm. d. GH) hießen auch erst Britannia.”

Matthias Greif, Chronist des FC Britannia Eichenzell

Ein Zweites, das am Platz dann auffällt, ist eine kleine Mariengrotte, die neben der Tribüne erbaut wurde. Wieso das? Zum hundertjährigen Vereinsjubiläum wurden wichtige Bauarbeiten abgeschlossen, so zum Beispiel an der Grillhütte und am Vereinshaus und der Tribüne. “Ein Oberbayer, der der Liebe wegen nach Eichenzell kam, hat das als Bauleiter umgesetzt”, berichtet Matthias Greif. Als alles so weit fertig war, hat ein anderes Vereinsmitglied dann gesagt: “Ich stifte euch eine Mariengrotte.” Und diese Grotte hat der bayerische Bauherr dann auch noch fertig gemauert. “Das ist einfach ein Zeichen nach außen, dass wir hier im Landkreis Fulda eben ein sehr katholischer Landkreis sind. Aber es ist jetzt nicht so, dass wir hier vor den Spielen eine Andacht halten. Die Grotte ist einfach selbstverständlicher Teil unserer Anlage.” Eine kleine Tradition eben.

Wo wir gerade schon bei Traditionen sind, muss Gotthilf doch noch auf eine althergebrachte Eichenzeller Eigenheit eingehen. Die Bewohner des Ortes werden nämlich wenig schmeichelhaft klingend als “Weckfresser” bezeichnet. Heute gehen die Eichenzeller mit diesem Begriff aber “cool” um. Dahinter steckt eine sehr interessante Geschichte, die zum Schmunzeln anregt. Gotthilf darf zitieren aus den Worten der Gemeinde-Seite:

“Bis 1785 gehörte Eichenzell zur Pfarrei Florenberg. An besonderen Festtagen oder zu bestimmten Wallfahrten gingen die Eichenzeller dann auf den Florenberg zur Kirche. 
Trotz des langen Weges waren die Eichenzeller immer die Ersten. Sehr zum Verdruss der anderen Wallfahrer aus den Nachbarorten. Bis die anderen auf dem Berg eintrafen, hatten die Eichenzeller meist schon alle Festtags-“Weck” aufgekauft. Da es werktäglich meist nur das schon Wochen voraus gebackene Brot gab, war der “Festtags-Weck” schon eine gern gegessene Abwechslung. Verärgert darüber, dass ihnen die Eichenzeller schon alles aufgekauft hatten, bezeichneten die Nachbargemeinden sie als “Eichenzeller Weckfresser”. Und diese Bezeichnung ist bis auf den heutigen Tag geblieben. Allerdings gilt sie in dieser Form nur für die alteingesessenen Bürger, während die Eichenzeller Neubürger vornehm als “Brötchengenießer” bezeichnet werden.”

Wer sich durch den britischen Geist, die Mariengrotte und den Weckfresser-Mythos dazu bewogen fühlt, nach Eichenzell zu fahren, den kann Gotthilf in diesem Wunsch nur bestärken. Die Tribüne, das großzügige Vereinsheim, die knackig-würzige Bratwurst sind weitere schlagende Argumente für einen Besuch in Eichenzell. Auch Fans von individuell gestalteten Eintrittskarten werden in der Osthessen-Gemeinde ihre Freude finden. Wer darüber hinaus noch Zeit mitbringt, sollte sich unbedingt das extrem prunkvolle Schloss Fasanerie am Ortsrand anschauen. Es zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen in Hessen und ist wirklich einen Abstecher wert.

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