“Keine Lust mehr Fußball.de durchzurammeln”

Philipp Gollmer ist 31 Jahre alt und Software-Entwickler. Als Dresdner ist er Dynamo-Fan und aktiver K-Block-Gänger. Wenn Dynamo gerade nicht spielt, geht er hoppen. Ihm ist dabei vor einigen Jahren aufgefallen, dass es kein wirkliches Tool zum Suchen und Finden von Amateurfußballspielen gibt, inbesondere wenn es um unterklassige Spiele geht. Deshalb ist er selbst tätig geworden und hat zunächst den Matchkalender auf seiner Seite “Groundhopping-Links.com” entwickelt und daraus in diesem Jahr die “Machkalender”-App fürs Smartphone gemacht. Die wird für immer mehr Groundhopper zum praktischen Helfer.

Hier das Interview zum Nachhören.

Philipp, wie bist du dazu gekommen, den Matchkalender auf die Beine zu stellen?
Da muss ich ausholen. Ich habe Informatik studiert und bin in diesem Bereich auch beruflich unterwegs. Da programmiere ich ebenfalls Apps und Webseiten. Webseiten haben mich schon immer fasziniert. Ich wusste schon vor meinem Studium, dass ich das machen will. Mit der Zeit bin ich immer tiefer rein in die Materie und bin dann über das reine Designen hinaus richtig in die Programmierung gegangen. Ich habe vor dem Studium meine erste Website auf die Beine gestellt. Die habe ich mit den rudimentärsten Kenntnissen gebaut. Die hieß „sogenannte-fans.de“. Darauf habe ich einfach alle möglichen Fanzines gelistet. Die Seite gab’s dann irgendwann nicht mehr. Ich habe dann weiter und weiter gemacht, mich auch in anderen Themen ausprobiert. Hauptsache machen. Ich habe sogar mal ein Memory programmiert. 

Wie war dann der Weg zum Thema „Groundhopping“?
Ich bin selbst auch als Groundhopper unterwegs. Als ich mit meinem Studium fertig war, ist mir aufgefallen: In den ganzen Facebook-Gruppen zum Thema „Groundhopping“ werden oft Fragen gestellt, die man in zwei Minuten selber hätte googeln können. Und dann habe ich überlegt: Warum erstelle ich nicht eine Linksammlung für solche Fragen? Und daher auch der Name „groundhopping-links“, weil die Seite anfangs nicht mehr konnte, als Links zum Thema Groundhopping anzuzeigen. Diese Sammlung wollte ich dann ausbauen, zum Beispiel mit einem Filter, mit dem man nach bestimmten Themen suchen konnte. Ziel war: Du willst in Montenegro von A nach B. Dafür sollten dann die Links zu Verbänden und Busunternehmen erscheinen. Das war der Grundgedanke. Jetzt gibt es die Links zwar immer noch, aber der Bereich liegt schon länger brach. 

Webseiten haben mich schon immer interessiert”

Du hast dich also neu fokussiert. 
Genau. Ich hab dann noch andere Sachen eingebaut, wie das Hochladen von Spielberichten etc. Es war mir wichtig, dass ich mir das von der Programmiertechnik her ermögliche, das hinzukriegen. Und dann kam der Matchkalender, weil ich natürlich gemerkt habe, dass das Auffinden von Amateurspielen in Deutschland nicht so einfach war. Es war aufwändig und unhandlich, immer wieder die App “fußball.de” durchzurammeln. Und immer händisch jeden Kreis und jede Liga einzeln durchzusuchen, das fand ich unpraktisch. fußball.de hat ja nur eine Postleitzahlensuche, die ich sehr komisch finde. Und dann habe ich einfach mal ausprobiert, was da programmiertechnisch möglich ist, um das Ganze praktischer zu gestalten. 

Und das hat sofort funktioniert?
Es wächst seit einigen Jahren. Und es hat im Endeffekt funktioniert. 

Und damit hilfst du ja inzwischen einigen Groundhopper bei der Spiel-Auswahl. Dir selbst auch?
Auf jeden Fall. Ich war schon lange nicht mehr auf fußball.de. Höchstens, wenn ich mal gezielt Ligen durchgucken will. Ansonsten nutze ich auch nur noch meine Matchkalender-App. 

Ich hab mich immer gefragt: Wie schafft man das technisch, dass man die Daten von fußball.de so ausliest, dass man sie dann auch filtern kann? Kannst du das für technische Laien erklären? Oder ist das ein Geheimrezept?
Da sollte ich vielleicht ein bisschen aufpassen, was ich verrate. Im Grunde kannst du ja hingehen und dir die Spiele manuell raussuchen. Aber man kann das Ganze auch automatisieren. 

Das heißt: Da sind schon tiefgreifende Programmierkenntnisse nötig, um das so hinzukriegen …
Also ich habe knapp ein Dreivierteljahr gebraucht von meinen ersten Versuchen, bis ich wirklich was hatte, wo man sagen konnte: Hey, das funktioniert. Und gegenüber der heutigen Version war das anfangs ein Steinzeit-Tool. Da haben viele Spiele gefehlt, es gab noch einen Haufen Probleme. 

“Ich habe knapp ein Dreivierteljahr gebraucht, bis ich was hatte, das funktioniert.”

Wieviel Zeit investierst du denn in die App? Klingt ja wie ein Vollzeit-Job …
Aktuell auf jeden Fall. Ich sehe noch noch nicht den Silberstreif am Horizont was die Arbeitsmenge angeht. Es sind schon so drei bis vier Stunden an bis zu vier Tagen pro Woche, die ich an der App schraube. Gerade erst habe ich das neue Update hochgeladen.

Was erwartet uns da?
Das Größte ist, dass ich die Verbandssuche, wie es sie auf der Webseite gibt, in die App mit eingebaut habe. Das heißt, da kannst du deine Spielsuche auf einen oder mehrere Verbände eingrenzen.

Kannst du denn in irgendeiner Form Geld verdienen mit deiner Arbeit rund um die App?
Aktuell noch nicht wirklich. Auf der Webseite ist ein bisschen Werbung geschaltet. Aber nicht so, dass man als Besucher davon genervt ist. Das ist auch mein Ziel. Ich lasse mir das Thema „Geld verdienen“ grundsätzlich offen. Es wäre schon schön. Aber ich möchte es vermeiden, dass das durch nervige Werbung geschieht, oder dass man dafür jetzt einen Premium-Account braucht. 

Wie hat sich denn der Traffic auf deiner Seite und der App entwickelt?
Unmittelbar vor Corona hatte ich einen ziemlichen Schub von Leuten, was dann mit Corona natürlich einen ziemlichen Dämpfer erhalten hat. Die App ist inzwischen schon vierstellig runtergeladen worden. Den Matchkalender auf der Website nutzen mehrere hundert Menschen täglich. Und das ist auch das Niveau von vor Corona. Ganz generell kann man sagen: Es nimmt kontinuierlich zu. 

Die App ist inzwischen schon vierstellig heruntergeladen worden.”

Wie fällt denn das Feedback zur Matchkalender-App aus?
Grundsätzlich würde ich mich über mehr Feedback freuen. Das meiste, was zur App kam, waren Dinge, die noch nicht funktioniert haben. Das sind Dinge, die beim Programmieren einer App noch schwieriger zu handhaben sind, als bei einer Webseite. Es gibt allein 13.000 verschiedene Smartphones, die auf dem Android-System laufen. Und da kann bei jedem Gerät und bei jeder Android-Version mal was nicht funktionieren. Das sind eher kleine Sachen, die sehr speziell, individuell nicht richtig funktionieren. Aber generelles Feedback zur App hat es noch fast gar nicht gegeben. Zum Beispiel, dass sich Jemand noch Funktionen wünscht oder neue Filter. Das wundert mich ehrlich gesagt, dass die Leute offenbar zufrieden sind. Weil ich selbst schon merke, was mir fehlt, wenn ich die App nutze.

Dann gehe ich mal mit gutem Beispiel voran und gebe dir mein Feedback. Mir geht es da eher um Kleinigkeiten. Zum Beispiel, dass bei einigen Spielen die Anstoßzeiten in der App nicht angezeigt werden …
Die können in den betreffenden Fällen dann einfach nicht ausgelesen werden. 

Aber, wenn man dann in der Fußball.de-App manuell nachschaut, sind die Zeiten doch eingetragen. 
Ich hatte die Hoffnung, dass sich das im Laufe der Saison bessert. Und das tut es auch. Das ist ein Thema, für das ich die endgültige Lösung noch nicht gefunden habe. Aber ich arbeite dran und es ist auch schon deutlich besser geworden. 

Das Zweite, was mir noch aufgefallen ist: Die Reihenfolge, in der die Spiele dann aufgelistet werden, die ist mir noch nicht ganz klar. Das wirkt ein bisschen wild. Wenn man da noch eine Sortierfunktion hätte, wäre das cool. 
Da plane ich gerade eine Filterfunktion, mit der man auswählen kann, wie man seine Spiele sortiert – nach Zeit, nach Entfernung oder nach Groundgröße zum Beispiel. 

“Ich würde mich über mehr Feedback zur App freuen.”

Wenn man Anmerkungen zur App und zum Update hat. Wie erreicht man dich man besten für Feedback?
Entweder ne Mail schreiben, Facebook und Instagram gehen natürlich auch, oder über das Kontaktformular auf der Webseite. 

Kannst du deine Erkenntnisse aus der Arbeit mit der App eigentlich für deinen Hauptjob gebrauchen?
Ja, sehr gut. Das geht sogar in beide Richtungen. Das Wissen, was ich bei der Arbeit erlange, kann ich in die App einfließen lassen. Andersrum eigne ich mir hier bei der App Wissen an, das ich dann mit zur Arbeit nehme und das mir dort hilft. 

Ein schöner Effekt. Zum Abschluss darfst du noch dein Schlusswort an die Leserinnen und Leser richten. 
Mir würde mehr Feedback sehr helfen. Und je zielgerichteter es ist, desto mehr Arbeit nimmt es mir ab. Das wäre richtig cool. Also: Scheut euch nicht, mir eure Wünsche mitzuteilen. Und auch, wenn ihr Ideen habt, was die App noch können soll, dann immer her damit. Eine Sache ist auch noch wichtig: Wenn ihr Fehler seht, dann immer melden. Wie schon gesagt, können das sehr individuelle Fehler sein, zum Beispiel von speziellen Smartphones oder auch speziellen Betriebssystemen. Die kann ich dann von meinem eigenen Gerät aus nicht wahrnehmen. Also da nicht denken: Das wird er schon sehen. Sondern einfach melden. Keine Hemmungen. Ich bin auch für den kleinsten Hinweis dankbar. Die To-Do-Liste ist zwar lang, aber ich arbeite sie ab. 

Hier geht’s zur App:

iOS:
https://apps.apple.com/app/id1572476777

Android:
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.philippgollmer.groundhoppinglinks

Website:
www.groundhopping-links.com

Hier ein kleiner Einblick in die App

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.