Bad Homburg – Stadion Sandelmühle

Stadion Sandelmühle, SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg e.V. II – SG Harheim 1946 e.V. II 6:3, 18.08.2020

Spiel 48/2020
Ground 478
Zuschauer: 20
Freundschaftsspiel

PODCAST
Funkhaus Habedurst in Bad Homburg

Wolfgang Knaack und Manfred Purz haben Gotthilf die spannende Geschichte des Bad Homburger Fußballs näher gebracht.

Bad Homburg, das ist doch diese Kurstadt im Norden von Frankfurt. Da wohnen doch die ganzen Reichen. Da ist die Kohle zuhause. Zugegeben, viel mehr wusste Gotthilf nicht über die Stadt Bad Homburg. Auch über den Fußball in der Stadt war Gotthilf nur recht dürftig informiert. Ein paar Stichworte wie “Deutscher Amateurmeister” geisterten da orientierungslos in seinem Kopf herum. Umso größer die Überraschung und die Freude über all das, was Gotthilf an diesem Abend erleben und erfahren durfte.

Im Stadion angekommen, ist Gotthilf zuerst einmal beeindruckt, von dem Panorama, das das Stadion umgibt. Die Erlöserkirche und die Marienkirche rahmen das Stadion Sandelmühle sehr schön ein. Auch die Anlage selbst ist ein echtes Schmuckstück. Auf beiden Längsseiten erstrecken sich Tribünen. Die eine davon wurde auch noch mit einer Stahlrohrkonstruktion erweitert und macht so einen stattlichen Eindruck. Am Vereinsheim dampft und bruzzelt es. Eine lange, dünne und sehr würzige Bratwurst liegt in der Wärme direkt neben einer roten dicken Rindswurst. Bilder, die man so ähnlich nur vom Strand am Ballermann kennt.

Noch ganz begeistert vom kulinarischen Angebot, kommt Gotthilf dann ins Gespräch mit Manfred, einem ehemaligen Oberliga-Spieler der früheren SpVgg Bad Homburg und Wolfgang, der in seinem Archiv jede Minute der Vereinsgeschichte sorgfältig abgeheftet hat und aus seinem schier unendlichen Fundus die schönsten Geschichten des Bad Homburger Fußballs aus dem Eff-Eff wiedergeben kann.

“Hier war früher was los”, versucht Manfred dem erstaunten Gotthilf glaubhaft zu machen, dass das Stadion Sandelmühle früher regelmäßig aus allen Nähten platzte. Vor allem in den 70er und 80er Jahren war die SpVgg Bad Homburg als renommiertes Mitglied aus der Oberliga Hessen nicht wegzudenken. “Aber die Highlights waren natürlich die Endrunden um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Wir haben es vier Mal ins Finale geschafft und haben 1973 das Ding geholt. Das war ein tolles Erlebnis damals”, erinnert sich Wolfgang, der im Finale auf dem Bieberer Berg dabei war. Gegner damals waren die Amateure des 1. FC Kaiserslautern.

Auch die Bayern haben zwei Mal im Stadion Sandelmühle Halt gemacht und Testspiele gegen Bad Homburg absolviert – zuletzt 1992, als so Legenden wie Olaf Thon, Stefan Effenberg und Michael Sternkopf über den Bad Homburger Rasen schwebten. Einmal war auch Wacker Innsbruck mit Trainer Ernst Happel zum Freundschaftsspiel an der Sandelmühle. “Alle wollten damals mit Ernst Happel über Fußball quatschen. Ich habe mir gedacht, dass ihn das bestimmt schon langweilt. Also habe ich ihn gefragt, was er als Österreicher denn von den Bergen im Taunus hält. Da war der Grantler ganz überrascht und sagte: “Endlich. Sie sind der erste hier, der nicht mit mir über Fußball reden will.”, erinnert sich Wolfgang Knaack an diese besondere Begegnung. Nette Randnotiz: Auch im DFB-Pokal durften die Bad Homburger einmal antreten. Und als wenn das Schicksal seine Hände ordentlich im Spiel gehabt hätte, wurden 1977 die Stadtnamensvetter vom FC Homburg/Saar in den Taunus gelost. Homburg und Bad Homburg sollen ja noch heute hin und wieder verwechselt werden. Jedenfalls war die Sandelmühle eben auch lange Zeit ein Laufsteg für Fußball-Größen.

Wie zerbrechlich der Erfolg in Bad Homburg war, wollte in der Geld- und Kurstadt lange niemand wahrhaben. Aber die Ansprüche, auch mal in die 2. Bundesliga hoch zu wollen, haben dazu geführt, dass sich der Verein übernommen hat. Der Verein hat eine ganze Zeit lang mehr Geld ausgegeben, als er eingenommen hat. „Außerdem haben sich in den 90ern wichtige Sponsoren zurückgezogen.”, erinnert sich Manfred Purz. Der sportliche und finanzielle Absturz führten zur Neugründung 1999 und zu Fusionen mit anderen Vereinen. So kam es auch, dass irgendwann auf einmal der etwas martialische Zusatz „Bomber“ im Vereinsnamen auftauchte. Und das kam so:

„Unsere Spielvereinigung hat sich 2012 mit dem Verein FC Bomber Bad Homburg zusammengeschlossen. Das war ein Verein, der ausschließlich eine Jugendfußball-Abteilung hatte. Die hatten sich bei ihrer Gründung selbst ein Logo gebastelt. Und darauf zu sehen waren zwei Fußbälle mit Zündschnur. Bomben eben, vielleicht dem Bomber der Nation Gerd Müller nachempfunden. Das war damals eben cool. Und aus diesem Logo leitetet sich der Name FC Bomber ab, mit dem wir uns 2012 zusammengeschlossen haben.“, erinnert sich Wolfgang Knaack. Heute wirkt es irgendwie und aus der Zeit gefallen. Aber die Bad Homburger haben offenbar ihren Frieden mit dem Bomber gemacht.

Der Abend in Bad Homburg entwickelte sich zusehends zu einem echten Highlight. Einen Besuch an der Sandelmühle kann Gotthilf jedem Fußball-Romantiker wärmstens empfehlen. Gotthilfs Bild von Bad Homburg hat sich durch den Besuch ein bisschen gewandelt. Die Kurstadt ist eben nicht nur Geldstadt, sondern eigentlich auch eine waschechte Fußballstadt. Das müsste ihr nur nochmal Jemand sagen.

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