Celle – Günther-Volker-Stadion

Zu Gast bei: TuS Celle FC – TuS Hermannsburg // Kreisliga Celle // Endstand: 0:5 // Zuschauer: ca. 80

Wie oft ist Gotthilf mit dem Zug von Hannover nach Hamburg gefahren, um dann beim Halt in Celle neugierige Blicke nach links zu werfen? Die Antwort steht in den Sternen, es muss jedenfalls sehr oft gewesen sein. Denn die lange, gerade Ausfahrtstraße, die schnurstracks vom Bahnhof wegführt, ließ und lässt noch heute einen nahezu unverbauten Blick auf die hochaufgeschossenen Flutlichter des Günther-Volker-Stadions zu. Allein einen Stadionbesuch sollte Gotthilf bis zum vergangenen Wochenende nicht zu Stande bringen. Doch auch das ist jetzt erledigt. Und wie!

Mit einer freudigen Vierer-Reisegesellschaft ging es mit dem Zug in die Residenzstadt Celle. Verheißungsvoll war schon die Facebook-Antwort des Vereins auf die übliche “Haupt- oder Nebenplatzfrage”:

Und so war spätestens nach dieser klasse Antwort klar: Es kann heute nur nach Celle gehen. Über die schon beschriebene schnurgerade Ausfahrtstraße ging es zu Fuß etwa zehn Minuten zum Stadion – die markanten Flutlichtmasten immer im Blick. An einem alten Kassenhäuschen gibt es die hübschen Eintrittskarten mit Flutlichtmasten-Motiv. Dazu stehen briefkopfgetreu die Erfolge aufgelistet, die der TuS Celle in seiner langen Geschichte erreicht hat. Gotthilf findet: “Schön gemacht. Dazu noch die Begegnung aufgestempelt. Eine sehr gute Eintrittskarte.”

A propros Geschichte: Dass das Stadion mit seinen offiziellen 11.000 Plätzen nicht für die Kreisliga gedacht war, das ist klar. In Celle ist man eigentlich größeres gewohnt: Die Titel Niedersachsenmeister ’81 und ’90, stehen ebenso zu Buche wie der Gewinn des Niedersachsenpokals 1981. Drei Mal durfte der TuS Celle FC am DFB-Pokal teilnehmen. “Wir erinnern uns alle noch an Zeiten, in denen das Stadion hier rappelvoll war. Vor allem die Duelle in der damals drittklassigen Regionalliga Nord. Da waren hier so Größen wie Hannover 96, Eintracht Braunschweig und Holstein Kiel zu Gast”, berichtet TuS-Fan Thommy Tus (Achtung, Künstlername!).

Thommy TuS war es, der die eingangs erwähnte Facebook-Nachricht verfasst hat. Er war es auch, der Gotthilf und seine Getreuen nach dem Spiel zu einer geselligen Grillrunde hinter der Haupttribüne eingeladen hat. Bei Bier und Grillgut erfuhr die Reisegruppe so allerlei über die Geschichten rund um den traditionsreichen Verein und seine Fans. Natürlich ging es um die großen Spiele, die die meisten aus der Fanszene noch miterlebt hatten. Natürlich ging es auch um die Erlebnisse, die die Celler Fangemeinde mit den niedersächsischen Rivalen gemacht hatten.

Heute sind die einstigen Ultras Celle eine lose Gruppe von TuS-Celle-Unterstützern, die zwar dem Verein trotz anhaltenden Misserfolgs und dem fast bodenlosen Fall die Treue halten. Dennoch als Ultras wollen sie nicht mehr gelten. Thommy TuS sagt: “Wir brauchen hier in der Kreisliga nicht mehr großartig mit Pyro oder ähnlichem um die Ecke kommen. Das wäre dann doch eher lächerlich.” Inzwischen heißen die Gegner eben nicht mehr Hannover 96 oder Eintracht Braunschweig. Thommy TuS beschreibt es eher so: “Ich komme vom Dorf aus dem Umland. Ein Dorf, gegen das der TuS Celle inzwischen spielen muss. Da kann man sich schon mal was anhören muss, wenn Celle verliert.”

Dennoch: Die Fans kümmern sich gemeinsam mit dem Verein darum, dass der Kult und die Geschichten rund um den Traditionsverein TuS Celle FC lebendig bleiben. Sie haben die Eintrittskarten gestaltet, dazu eine TuS-Tasse und ein T-Shirt mit dem Schriftzug “TuS Celle FC – Günther-Volker-Stadion”. Dazu betreiben Thommy TuS und seine Kumpel die Facebook-Seite “KulTusFC”, auf der sich ein Jeder über Aktuelles aber auch Historisches rund um den Verein informieren kann. Es gibt sie also noch: Die Treuen, die mit ihrem Verein durch dick und dünn gehen. Und die in diesem Zusammenhang genau wissen, was mit “dünn” gemeint ist.

So trat Gotthilf mit tollen Erlebnissen, spannenden Gesprächen und neuen Eindrücken im Gepäck den Heimweg an. Am Bahnhof angekommen musste er sich dann allerdings doch noch einmal umdrehen. Der Blick zurück ging über die lange Ausfahrtstraße bis hin zu den hochaufgeschossenen Flutlichtern am Horizont. Nun allerdings mit der Gewissheit: Das Günter-Volker-Stadion ist gekreuzt.

 


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