Hanau – Heinrich Sonnrein-Sportanlage

Zu Gast bei: 1. Hanauer FC 1893 – Sandzak Frankfurt a.M. // Verbandsliga Hessen Süd // Endstand: 2:1 // Zuschauer: 193

“Was man mit leeren Bierkästen nicht so alles anstellen kann”, so staunte Gotthilf bei seinem Besuch in Hanau. Es ist eine der vielen, besonderen Geschichten, die der 1. Hanauer FC 1893 in seiner nunmehr 125-jährigen Geschichte geschrieben hat. Aber mal von Anfang an.

Es ist 1894. Fußball in Deutschland ist eine Nischensportart, an den DFB ist noch nicht zu denken. Wer immer mit dem Fuß gegen einen Ball kickt, ist im Deutschen Cricketverband organisiert. Es ist die Zeit, in der der 1. FC Hanau 1893 nach den Sternen greift. Das Team aus Hessen erreicht doch tatsächlich das Finale um die deutsche Meisterschaft. Gegner soll der heutige Regionalligist Viktoria Berlin sein. Doch dazu kommt es nicht.

Das vergessene Endspiel
Unternehmer interessieren sich nicht für Fußball, an so etwas wie Sponsoring ist nicht zu denken. Und so können sich die Hanauer Kicker die Anreise zum Finale nach Berlin schlicht nicht leisten. Sie treten die Fahrt zum Endspiel einfach nicht an. Der erste, noch inoffizielle deutsche Meistertitel geht kampflos an die Viktoria. So war der 1. FC Hanau 1893 eben nur Fast-Meister. Und ist es bis heute.

Daran konnte auch das Jahr 2007 nichts ändern. Da wurde das Endspiel um die deutsche Meisterschaft nachgeholt. In Hin- und Rückspiel duellierten sich die Hanauer mit Viktoria Berlin und hatten diesmal auch sportlich das Nachsehen. Aber diese symbolischen Finalspiele bleiben trotzdem als Festtag der Hanauer Fußballgeschichte in Erinnerung. Stattliche 5.000 Zuschauer bevölkerten das altehrwürdige Herbert-Dröse-Stadion, darunter auch der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Hanau stellte Nationaltorhüter
Erwähnenswert ist auch Heinrich Sonnrein. Auf den einzigen Nationalspieler der Vereinsgeschichte ist man in Hanau verdientermaßen stolz. Sonnrein, nach dem heute die Sportanlage in der Kastanienallee benannt ist, stand Mitte der 1930er im Tor der deutschen Nationalelf.

In der Saison 1978/79 konnte sich Hessens ältester Fußballclubs für die 2. Bundesliga Süd qualifizieren. Die Zweitklassigkeit erwies sich allerdings schon in der ersten Saison als zu groß für den HFC und so ging es schon nach nur einer Saison wieder runter.

DFB-Pokal: Aus nach Entscheidungsspiel
Auch im DFB-Pokal waren die Hanauer zwei Mal vertreten. 1935, als der Wettbewerb noch Tschammerpokal hieß, erreichte der HFC sogar das Viertelfinale, schied nach Siegen gegen Windecken, Berolina Berlin, und die SpVgg Herten dann aber gegen den Freiburger FC aus. 1980 war bereits in der ersten Hauptrunde gegen Wacker Berlin Schluss. Nach einem 2:2 brauchte es damals noch ein Entscheidungsspiel.

Hanau 1893 ist aber nicht nur Geschichte, sondern auch Gegenwart. Nach harten Jahren der Unterklassigkeit begann 2000 der stete Wiederaufstieg. Heute spielen die 93er wieder in der sechstklassigen Verbandsliga. Anteil daran hat auch ein prominentes Fußball-Trio. Die Ex-Eintrachtler Ervin Skela, Daniyel Cimen und Michael Fink schnüren heute ihre Fußballschuhe für 1893 und das ganz nebenbei, als Hobby. Die prominenten Hobbykicker hatten erheblichen Anteil an den Aufstiegen des Vereins.

Besonderes Publikum
Erwähnenswert ist auch noch das Hanauer Fußballpublikum. Die HFC-Supporters unterstützen ihr Team nicht nur lautstark, die Gruppe hat sich sogar ihre Tribüne auf der Heinrich-Sonnrein-Sportanlage selbst gebaut. Das Baumaterial: 276 leere Bierkästen. Darauf finden sie sich bei jedem Spiel zusammen, schwenken schwarz-weiße Vereinsfahnen und singen selbst getextete Lieder.

Mit der Unterstützung der Fans im Rücken möchten die 93er in naher Zukunft gerne noch eins weiter nach oben in die Hessenliga. “Damit wären wir auch für Sponsoren wieder interessanter”, hofft Vereinssprecher Hans Jung. In dieser Saison wird das nichts mehr. Das wäre vielleicht aber auch zu schön gewesen, zum 125-jährigen Vereinsjubiläum aufzusteigen. Wobei…Gotthilf Habedurst steht eigentlich auf diese kitschigen Geschichten.




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