Offenburg – Karl-Heitz-Stadion

Offenburger FV 1907 e.V.VfB Bühl 7:1, 15.08.2020
Spiel 47/2020
Ground No. 476
223 Zuschauer
Südbaden-Pokal (Verbandsliga – Landesliga)

PODCAST
Funkhaus Habedurst in Offenburg

“Die Fußball-Euphorie war in den 80ern riesig in Offenburg. Heute bekommen wir kaum noch junge Leute ins Stadion.”

Heinz Falk, langjähriger Vorstand des Offenburg FV
Gotthilf in “Funkhaus Habedurst” mit OFV-Urgestein Heinz Falk.

Einen annähernd perfekten Tag erwischte Gotthilf bei seiner Reise in den südbadischen Ortenaukreis. Bei bestem Wetter hatte er sich das Verbandspokalspiel zwischen dem Offenburg FV und dem Landesligisten VfB Bühl herausgesucht, um die Stadionperle Karl-Heitz-Stadion mit einem Kreuz zu versehen. Das Wetter spielte mit. Es war ein strahlend blauer Himmel mit hochsommerlichen Temperaturen. Da war es fast schon überlebenswichtig, dass es vor Ort gab gut gekühltes Bier gab. Das allerdings war mit 3€ für 0,3 Liter auch schon etwas teuer. Super war aber vor allem die erkleckliche Auswahl an Wurstwaren. Sowohl die vom nahegelegenen Frankreich rübergeschwappte “Merguez” also auch die grobe Bratwurst stellten Gotthilfs Gaumen mehr als zufrieden.

Das Spiel hatte ein paar sehenswerte Tore zu bieten. Direkt verwandelte Freistöße, direkt verwandelte Anstöße, schöne Spielzüge führten am Ende zu einem deutlichen 7:1-Sieg für die favorisierten Offenburger. Vor allem der Offenburger Publikums-Liebling Marco Petereit wurde nach seinen drei Toren innerhalb von vier Minuten zu Recht frenetisch gefeiert.

Spannender als das Spiel ist aber die Geschichte des Offenburg FV. Besonderer Glanzpunkt der Historie ist der deutsche Amateurmeister-Titel von 1984. “Damals herrschte eine große Fußball-Euphorie in der Stadt.”, erinnert sich der langjährige OFV-Vorstand Heinz Falk im Interview bei Funkhaus Habedurst. Das DFB-Pokalspiel 2012 gegen den FC St. Pauli zählt zu den jüngeren Meilensteinen der Geschichte: “Damals war es so heiß, dass wir die Feuerwehr geordert haben. Die hat dann die Zuschauer mit Wasser bespritzt und abgekühlt.”

Heute pendelt der Offenburger FV hin und her zwischen Oberliga BaWü und Verbandsliga Südbaden. Gerade erst hat im Vorstand ein Generationenwechsel stattgefunden, der Verein ist für die Zukunft erstmal solide aufgestellt. Dennoch: “Wir haben zu wenig Mitglieder. 400 bei einer Einwohnerzahl von 60.000. Das ist eigentlich ein Witz.”, sagt Falk. Insbesondere das junge Publikum in der Stadt scheint der Verein noch nicht so richtig zu erreichen. Trotz Werbeaktionen in der schmucken Innenstadt, ist der Zuspruch beim jungen Publikum überschaubar.

Stattdessen kann sich der Verein über eine sangesfreudige, kleine Fanszene in der Nordkurve des Stadions freuen: “Von der Kinzig, bis zum Mühlbach. Oh immer wieder OFV”, heißt es da. Die Männer, vorwiegend im Alter 30+, versammeln sich hinter dem Tor und bieten situationsabhängig teilweise kreativen Gesang. Eine kultige Fangruppe, mit der Gotthilf nach dem Spiel netten und regen Austausch pflegen konnte.

Wie lange die Nordkurven-Fans dort allerdings noch stehen können, ist derzeit ungewiss. Das schöne Karl-Heitz-Stadion ist wahrscheinlich dem Tode geweiht. Denn sollte die Stadt den Zuschlag für die Landesgartenschau 2036 bekommen, würde sie das Karl-Heitz-Stadion abreissen und dem OFV an nahe gelegener Stelle ein neues Stadion bauen. “Das sehe ich mit mindestens einem weinenden Auge, denn wir haben hier schon eine tolle Anlage.”, findet Heinz Falk. Auch Gotthilf fände es schade, wenn das schöne Fußballstadion der Blumenshow weichen müsste. Mit seinen Stufen, die bis ans Spielfeld heranreichen und der schönen, alten Haupttribüne ist der Ground absolut besuchenswert.

Gotthilf ließ den Abend im Vereins-Restaurant ausklingen. Bei Live-Musik und live gezapftem Bier konnte Habedurst dem schönen Abend einen krönenden Abschluss verleihen. Vielen Dank geht raus an Timo, der alles vor Ort so toll für organisiert hat. Auch die Gespräche waren sehr unterhaltsam und informativ. So reiste Gotthilf mit zwei lachenden Augen kurz vor Mitternacht wieder gen Frankfurt am Main.

2 Kommentare

Rolf Leonhardt

Hi Groundblogging,

der auf dem Foto stillstehenden Uhr habe ich wieder Leben eingehaucht, schade ist aber und ist eigentlich das Wichtigste das für den Erhalt des Stadions sich die Nordkurve keine Mühe und auch keine Aktionen in der Stadt macht. Unser Oberbürgermeister möchte sich natürlich ein Denkmal setzen und der überwiegende Teil der Stadträte ist auch der Meinung. Vielleicht geschieht noch ein Wunder und der Klimawandel lässt die Verantwortlichen zum Umdenken Anregen.

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Jonas

Lieber Herr Leonhardt,
vielen Dank für die Infos.
Schön, dass die Uhr wieder läuft. Alles Gute und viele Grüße!

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