Stralsund – Stadion der Freundschaft

Zu Gast bei: TSV 1860 Stralsund – FC Mecklenburg Schwerin // Endstand: 2:3 // Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern // Zuschauer: 120 // 27.04.2019

Wer nach Stralsund reist, um das Stadion der Freundschaft zu sehen, der trifft auf einen Platz, der nahezu alles bietet, was ein Groundhopper-Herz höher schlagen lässt. Wer nach Stralsund fährt, um Fußball zu schauen, der trifft aber auch auf Widersprüche.

Es wehte ein leichter Wind und in der Luft lag ein Hauch von Restbierbeständen, als Gotthilf und seine drei Reisegenossen an einem Samstagmittag an rotschimmernden Häuserzeilen der Hansestadt Stralsund entlangschlichen. Ziel war das “Stadion der Freundschaft”, der Heimat des Stralsunder Fußballs.

“Alter Markt in Stralsund mit Nikolaikirche”

Sehr zentral gelegen ist es, das gute alte Stadion der Freundschaft. Umgeben von einem tollen Panorama aus alten Backsteingebäuden, wie der Marienkirche, und dem Frankenteich, einem stehenden Gewässer, das anderswo wohl schon als See durchginge. “Ein herrlicher Ort für ein Fußballstadion”, so dachte Gotthilf. Durch eine alte Kassenhäuschen-Anlage ging es also rein ins Vergnügen. Wer auf Ausbau steht, der wird Stralsund lieben. So einfach ist das. Schon beim ersten Blick nach dem man den Aufgang beschritten hat, entfährt es einem unweigerlich, ein aus voller Brust kommendes: “Wow!” Die Haupttribüne glänzt durch eine schöne Kombination aus blauen Schalensitzen und in der Mitte deutlich durchhängenden Holzbänken.

Die Haupttribüne mit Sprecherturm

Die Gegengerade ist ein Stehstufen-Eldorado. Mittig sind die Buchstaben “FCP” aufgesprüht – die Kürzel des früheren FC Pommern Stralsund. Die Betonstufen werden teilweise vom Erdreich nach vorne gedrückt, sodass alles ein wenig krumm und schief ist. Aber genau so lieben wir Nostalgiker das ja.

Die Gegengerade mit dem Schriftzug FCP für den FC Pommern – einer der Vorgängervereine des TSV 1860 Stralsund

Eine ganz tolles, nostalgiegeladenes Stadion-Element ist die alte Anzeigetafel. Sie ist auf dem Dach des Vereinsheimes hinter einem der Tore angebracht. Ein Mann in Trainingsanzug und gelber Warnweste tauscht die Ziffern je nach Spielstand aus und genießt zwischendrin immer ein paar Züge aus seiner Oettinger-Flasche.

Das Stadion stammt natürlich aus einer Zeit, in der Stralsund noch im Konzert des großen Fußballs mitgeträllert hat. Immerhin gab es in der Hansestadt einige Saison erstklassigen Fußball in der DDR-Oberliga. Die ganze Geschichte der früheren Armeesportvereinigung Vorwärts Stralsund gibt es hier.

Die begehbare Anzeigetafel im Stadion der Freundschaft

Stralsund

So attraktiv das Stralsunder Stadion für Groundhopper ist, so attraktiv ist insgesamt auch die Stadt für Menschen, die sich gerne schöne Orte anschauen. Ob es der “Alter Markt” mit seinem hanseatischen Backsteingotik-Ensemble ist, oder das Hafenflair mit Fischbuden, dem Duft von frischem Seetang und weiter Welt. Stralsund hat eine tolle Atmosphäre. Dazu gesellt sich eine gute Kneipenkultur. Gotthilf empfiehlt an dieser Stelle einen Besuch in der Hafenkneipe “Zur Fähre”. Eine urige Spelunke mit seemännischer Ausstattung und frischgezapftem Stralsunder Bier. Für einen geselligen und kultigen Abend empfiehlt Habedurst insbesondere die kultige Kellerbar “Bengunn” in der Nähe des Marktplatzes. Wer noch mehr lohnende Tipps zu Stralsund haben will, dem empfehle ich die Seite “Nord bei Nordost” vom großartigen Lars Schmidt. Ein echter Stralsunder, der die Erlebnisse in seiner Heimatstadt gerne mit Besuchern teilt.

Kommentar

Nun zu den Widersprüchen: In Stralsund hat es zur Saison 2018/19 eine Fusion der Fußballvereine Stralsunder FC und FC Pommern unter dem Dach des TSV 1860 Stralsund gegeben. Die bis dato aktive Fanszene des FC Pommern hat sich daraufhin zurückgezogen. Die Supporters sahen sich in Fragen der Vereinsidentität nicht mitgenommen. Stimmung will so bei Spielen des neu entstandenen TSV 1860 nicht aufkommen. Das ist natürlich sehr schade. Support würde dem Stralsunder Fußballereignis gut tun. Auf der anderen Seite fand Gotthilf in einigen Gesprächen heraus, dass die Vorgängervereine alleine nur noch schwer lebensfähig gewesen wären, eine Fusion somit ohnehin auf Dauer unumgänglich gewesen wäre.

Nun, da Gotthilf Habedurst sich in den vergangenen Wochen intensiver mit dem Thema Fusionen im Fußball auseinandergesetzt hat, hat sich in ihm eine Empfehlung herauskristallisiert, die er an dieser Stelle in die Welt hinaustragen will: Fusionen sind an vielen Fußballstandorten unumgänglich. Demographische Faktoren lassen sich nicht einfach ausknipsen. Allerdings können Vereine dabei viel falsch und viel richtig machen. Faktoren wie Identität müssen an vielen Standorten ernster genommen werden. Man muss einem Fan schon gut erklären können, warum er ab Zeitpunkt X nicht mehr den FC Y sondern Eintracht Z unterstützen soll. Warum er von heute auf morgen nicht mehr das liebgewonnene Wappen und die schönen Vereinsfarben blau und gelb tragen soll, sondern rot und weiß. Diese Faktoren wurden leider an einigen Standorten unterschätzt. Und das hat dazu geführt, dass einige wirklich auch nötige Fusionen durch deutlich spürbare Missstimmung begleitet wurden.

Deshalb kann die Empfehlung nur lauten: Wo immer eine Fusion notwendig wird, sollten die Verantwortlichen das frühzeitig und ehrlich erkennen, die Fusionsprozesse angehen, bevor Zeitdruck das Geschehen bestimmt und sich dann auch Zeit für Identitätsprozesse nehmen. Dabei braucht es ausgezeichnete Moderatoren, die extrem viel kommunizieren und die Befindlichkeiten der verschiedenen Parteien zusammenbringen. Auf der anderen Seite sollten auch Fans eine gewisse Offenheit für notwendige Prozesse mitbringen. Aber nur, wenn man sie auch aktiv mitnimmt und einbindet, kann eine konstruktive Fusions-Atmosphäre entstehen. Und wieviel gutes eine gute Atmosphäre im Fußball bewirken kann, dafür gibt es Beispiele in Hülle und Fülle.

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