“Wir haben ein Monster geschaffen…” – Die Groundhopper-App


Geir Florhaug hat mit seinem Freund Lars Erik Bolstad die Groundhopper-App entwickelt. Das Groundblogging-Interview

Geir Florhaug  arbeitet als Art Director in einem  Werbeunternehmen. Der 48-jährige Familienvater ist der kreative Kopf der Groundhopper-App, die er zusammen mit seinem Freund Lars Erik Bolstad erfunden hat. Lars Erik kümmert sich schwerpunktmäßig um die technischen Aspekte, während Geir sich vor Allem auch um den Kontakt mit den Usern kümmert. Ich habe mich mit ihm zum Skype-Interview verabredet. (You can find the English version at the bottom!)

Geir, wer eine Groundhopper-App erschafft, der muss doch selber auch Groundhopper sein, oder?
Mein Freund Lars-Erik und ich machen das zusammen. Wir sind aber erst zu Groundhoppern geworden, nachdem wir die App entwickelt haben. Jetzt duellieren wir uns manchmal: Wer hat mehr Grounds gesehen? Wer hat mehr Spiele unseres norwegischen Heimatvereins HamKam gesehen?

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diese App zu entwickeln?
Alles hat begonnen mit ein paar Freunden. Wir sind ein bis zwei Mal pro Jahr zum Fußball gefahren. Dann aber wirklich zu großen europäischen Spielen in Manchester, London, Mailand oder Barcelona. Und irgendwann konnten wir uns nicht mehr merken, wo wir überall gewesen sind. So brauchten wir also etwas, um unsere Spiele aufzuschreiben. Wir haben eine entsprechende App dafür gesucht. Aber als wir gemerkt haben, dass es dafür keine gibt, mussten wir selbst so eine App erfinden. Und nach und nach wurde das Ganze immer größer, weil wir angefangen haben die App weiterzuentwickeln. Wir dachten: Vielleicht können wir Ergebnisse hinzufügen, Paarungen hinzufügen, Bilder hinzufügen. Vielleicht können wir auch 10.000 weitere Grounds und Clubs und weitere Ligen hinzufügen. Inzwischen ist es uns über den Kopf gewachsen. Wir haben ein Monster geschaffen, mit dem wir jetzt kämpfen müssen, um es zu kontrollieren. Alles damit die Nutzer zufrieden bleiben.

So viele Nutzer weltweit zufrieden zu halten. Das stelle ich mir sehr aufwändig vor. Wieviel Zeit nimmt es in Anspruch, die App weiterzuentwickeln? Ist das ein Fulltime-Job?
Es ist zwar nicht unser Hauptjob, aber trotzdem ist es ein Fulltime-Job. Es nimmt jeden einzelnen Moment an Freizeit ein. Wir arbeiten durchschnittlich zwei bis drei Stunden täglich an der App. Fehler beheben, entwickeln, Mails beantworten, Logos und Bilder hinzufügen. Also etwa 20 Stunden pro Woche. Aber es gibt auch Wochen, da sind es 40 bis 50 Stunden. Es kann niemals perfekt genug sein.

Wieviele Menschen arbeiten an der Perfektionierung der App mit?
Nun, es sind nur ich und mein Freund Lars-Erik. Aber wir arbeiten sehr stark mit den Nutzern zusammen. Sie informieren uns, wenn sich Logos und Grounds ändern. Wir haben viele Augen rund um den Globus. Das hält die App aktuell. Wir versuchen so nah und so persönlich wie möglich mit den Nutzern zusammenzuarbeiten.

In welchen Schritten hat sich die App entwickelt?
Sie entwickelt sich jetzt schon seit fünf Jahren. Wir wollten eine App entwerfen, die hauptsächlich anzeigen sollte: „Welchen Ground hast du gesehen und welchen Ground hast du nicht gesehen?“. Die Idee war, dass ein Ground aufleuchten sollte, wenn man ihn abgehakt hat. Und dass Grounds, auf denen man noch nicht war, eben nicht aufleuchten. Das ist die Hauptstruktur. Und dann wollten wir es einfach machen, Endergebnisse hinzuzufügen. Dann haben wir angefangen Bilder hinzuzufügen. Und dann kam die Idee, dass jeder Nutzer mit der App Spiele in seiner Nähe finden sollte. Und ich denke, diese Idee war der Durchbruch. Von da an war sie ein Werkzeug und nicht bloß eine Exceltabelle. Als wir das dann hatten, wurde es möglich in Spiele sozusagen „einzuchecken“. Danach haben wir versucht für möglichst jeden Ground Fotos zu finden und einzubauen und Logos für die Teams. Das haben wir dann Alles manuell eingefügt, das war eine Menge Arbeit. Es geht bei der Entwicklung der App immer darum, neue Projekte zu finden. Es hat uns nicht nur eine Menge Zeit gekostet, sondern auch viele unserer zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir sagten „Tschüss“ zur Familie und tauchten ein in diesen riesigen, neuen Job. Und jeden Sommer müssen wir dann alle Ligen manuell updaten, damit die Nutzer sich zurücklehnen können, weil sie wissen: Das Update wird kommen. Es ist wirklich ein manueller Job.

Auch, wenn es aufwändig ist: Die Nutzer wünschen sich offenbar, dass die App gerade im sozialen Bereich weiterentwickelt wird. Habt ihr neue Funktionen geplant?
Wir haben viele Pläne. Im Moment versuchen wir eine neu programmierte, überschriebene Version an den Start zu bringen. Vor allem deshalb, weil wir ein Limit an Grounds erreichen, vor Allem in Deutschland. Die App stößt an ihre Speichergrenzen. Wenn wir noch mehr Grounds hinzufügen, dann verursacht das Abstürze der App auf vielen Smartphones. Aber wir hassen es „Nein“ zu sagen, wenn User sich wünschen, dass wir ihren Lieblingsground hinzufügen sollen. Und es gibt wirklich viele Fußballplätze, die einen Platz in der App verdient hätten. Wir müssen uns also darum kümmern, dass die App auch in Zukunft läuft. Wenn wir das gemacht haben, dann wollen wir uns um den sozialen Teil der App kümmern.

Da kommen wir gleich auch schon zu einer konkreten Frage vom  Facebook-User Utzopher Christmann und Andreas Mu: Viele Nutzer wünschen sich eine Chatfunktion in der App. Könnt ihr euch vorstellen so etwas in die App zu integrieren?
Das ist eine der Haupt-Features die wir liebend gerne in die App einbauen würden. Das wäre – nein das WIRD – ein schönes Add-On, wenn man dann Kontakt mit anderen Groundhoppern aufnehmen kann. Außerdem möchten wir irgendwann, dass Jeder seine eigenen Groundbilder in der App hinzufügen kann. So könnte man dann von jedem Stadion viele ältere Bilder anschauen. Das wäre wirklich eine schöne Entwicklung.

Wie weit seid ihr mit diesen Ideen?
Es sollte nicht mehr so weit hin sein, bis das erscheint. Grundsätzlich sind wir fertig. Jetzt, wo wir mit dem Ligen-Update fertig sind, können wir uns mehr darauf fokussieren. Aber ich kann jetzt kein sicheres Datum nennen, wann wir mit diesen neuen Funktionen um die Ecke kommen. Aber eines ist sicher: Wir würden es genauso lieben, wie die Nutzer.

Facebook-User Tobias Winterrott will wissen: Welche Datenbanken nutzt ihr für eure Fragen?
Das ist wirklich sehr unterschiedlich. Das kann ich auf einmal nicht sagen, das ist so kleinteilig.
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User-Frage von Buh Tzi: Was ist der beste Weg um mit euch Entwicklern in Kontakt zu treten?
Email auf Englisch. Lars-Erik spricht zwar fließend Deutsch, weil er lange in Deutschland gelebt hat. Aber er ist sehr beschäftigt, die App technisch weiterzuentwickeln. So kümmere ich mich um den Kontakt mit den Menschen. Und das mache ich hauptsächlich via Email. Mittlerweile habe ich mich auch in Facebook und Twitter eingearbeitet. Aber die Zahl der Menschen, die uns kontaktieren wächst. So muss ich mich bei allen Menschen entschuldigen, denen ich bisher noch nicht geantwortet habe. Ich versuche wirklich, Jedem zu antworten, aber sie müssen warten. Besonders im Sommer, wenn wir mit dem Update beschäftigt sind.

Frage von Facebook-User Mark Zwing: Welche Kriterien gibt es, damit ein angezeigter Ground in die App hinzugefügt wird?
Da ist sie: Die Mutter aller Fragen. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Das hängt auch vom Land ab. Besonders den deutschen Usern muss ich „Sorry“ sagen. Sie sind die größte Nutzer-Gruppe. Wir respektieren jeden Ground-Wunsch. Aber wir erreichen, wie gesagt, die Kapazitätsgrenze in Ländern wie Deutschland. Hauptsache aber ist, dass der Ground einem Club zugeordnet werden kann, der in einer der Ligen spielt, die in der App dabei sind. Es gibt große Teams mit kleinen Feldern und andersrum auch kleine Teams mit großen Plätzen. Wir wollen, dass die Menschen ihrem Team folgen. Man kann also nicht sagen: Es muss eine große Tribüne geben, oder ein großes Team muss dort schon gespielt haben. Es geht auch nicht darum, ob es ein Kunstrasen- oder Naturrasenplatz ist. Wir versuchen zu verhindern, dass man zwei Plätze, die zu einer Anlage gehören, als zwei Grounds zählen kann. Wir behandeln sie als Einen. Das muss ich den Usern täglich erklären. Also: Es gibt wirklich nicht ein Kriterium. Wenn ein Team viele Follower hat, dann wollen wir alle Grounds in der App haben, auf dem dieses Team spielt. Ganz egal, ob Freundschaftsspiele, Pokalspiele oder Meisterschaftsspiele.

Facebook-User Manuel Sponheimer will wissen: Wieviele Grounds sind derzeit in der App verzeichnet?
Das ist mal eine simple Frage: Es sind rund 12.000 weltweit.

Wieviele Menschen benutzen die App aktuell?
Wir haben keine genauen Zahlen. Aber wir waren schon die Nummer Eins in der Sportkategorie der AppStores in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Argentinien, Uruguay, Portugal, Norwegen, Schweden und in Tschechien. Was wir wissen ist, dass es wächst und wächst. Und wir wissen, dass die meisten User aus Deutschland kommen. Deutsche Groundhopper lieben diese App ganz offensichtlich.

Frage von Facebook-User Jean-Christoph de Aranjo: Werden die siebten Ligen in Deutschland bald auch hinzugefügt?
Eher nicht. Wir sind, wie gesagt, was Deutschland angeht an dieser blöden Kapazitätsgrenze. Und dann kommt noch eine andere Kapazitätsgrenze hinzu und das ist unsere persönlich. Weil das hier ein Job ist, bei dem wir Alles manuell machen müssen. Und bis hierhin ist das immer noch ein Hobby. Wir verdienen kein Geld damit. Es ist wirklich darauf begrenzt. Wenn wir tiefere Ligen hinzufügen würden, wäre das zu viel für uns. Das könnten wir nur machen, wenn es unser Hauptjob wäre. Dann müssten wir aber Gebühren einfordern, um weitere Mitarbeiter beschäftigen zu können. Aber wir sind uns bisher einig, nicht in diese Richtung zu wachsen.

Facebook-Userfrage von Mike Berg: Wenn ein neues Stadion auf dem Gelände des Vorgängers gebaut wird: Wann zählt dann ein Ground als „Neu“?
Noch eine gute Frage, die uns wohlbekannt ist. Wir führen viele Diskussionen, ob ein Fußballplatz brandneu, neu oder nur ein bisschen neu ist. Manche Fälle sind klar, so wie das Wembley-Stadion. Wir müssten zwei Stadien hinzugefügt haben, wo wir bisher nur eines haben. Wir haben zwei hinzugefügt, wo wir nur eines hätten zufügen sollen. Ich bin sicher, ich werde in den kommenden Tagen wieder einige Mails bekommen, die mich darüber informieren, welche Fälle das sind.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

Wanna read the original English version of the interview?
Click here! Interview Geir Florhaug Ready

 

3 Kommentare

Martin

Ein schönes Interview mit ehrlichen Antworten. Mir hat noch die Frage gefehlt, ob die User vielleicht selber mal Grounds einfügen können … aber wahrscheinlich ist die Frage mit den begrenzten Kapazitäten bereits beantwortet.

Ich hoffe sehr, dass die Jungs sich ihrer Verantwortung bewusst sind, ohne jetzt noch zusätzlichen Druck aufzubauen. 🙂

Vielleicht ist es ja auch eine Option mal daran zu denken, pro Verein 1-2 Ehrenamtliche mit in die Verantwortung zu nehmen?! Nur allein um die beiden Jungs zu entlasten!

In jedem Fall möchte ich mich bei den beiden bedanken und meinen fetten respekt für ihre Arbeit ausdrücken.

Gruß Martin

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