Thüringens Top Ten – Das Land der unbekannten Schönen



Wenn es eine Liste der am meisten unterschätzten Bundesländer Deutschlands gäbe, dann gehört Thüringen für Gotthilf locker zu den Top Drei. Denn das Bundesland zwischen Werra und Weißer Elster, zwischen Rennsteig und Harz ist an Schönheit reicher, als so mancher Vorstadthipster glaubt. Thüringen ist das Land der schönen Unbekannten. Oder sollte man besser sagen: Der unbekannten Schönen? Jedenfalls setzt sich das auch in der Stadion-Landschaft fort.

Auf Wunsch einer Groundblogging-Facebook-Nachfrage hat Gotthilf seine persönliche Top-Ten der thüringischen Stadien zusammengestellt. Die Liste erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch auf Allwissenheit. Sie ist darüber hinaus auch absolute Geschmackssache. Nicht berücksichtigt sind die allseits bekannten Regional- und Drittliga-Stadien von Carl-Zeiss Jena, Rot Weiß Erfurt und Wacker Nordhausen. Wenn ihr noch andere Vorschläge für schöne thüringische Stadion-Perlen habt, dann postet es in die Kommentare.

10. Sportplatz Grubenstraße, FC Erfurt-Nord, Kapazität: 4.000 Zuschauer
Das Steigerwaldstadion in Erfurt kennt jeder. Aber, dass es in der thüringischen Landeshauptstadt noch eine etwas kleinere Stadionperle zu sehen gibt, dafür muss man schon in die Landesklasse Thüringen hinabsteigen. Denn dort spielt der FC Erfurt-Nord, der nach der Wende aus der BSG Umformtechnik Erfurt hervorgegangen ist. Die Männermannschaft spielt von 1975 bis 1977 in der zweitklassigen DDR-Liga. Spätere Fußball-Prominente wie Ronny Hebestreit und Stefan Böger haben ihre Fußballschuhe im Erfurter Norden geschnürt. Das Stadion liegt eingebettet in ein Industriegebiet und eine benachbarte Wohnsiedlung. Die dürftigen räumlichen Verhältnisse geben es nicht anders her, dass das reine Fußballstadion sehr eng gebaut ist und sich die leicht verwitterten Stehstufen ganz nah ans Spielfeld anschmiegen. Ein schöner Platz zum Fußball schauen.

9.Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportstätte, FSV 06 Kölleda, Kapazität: 5.000 Zuschauer
Kölleda liegt etwa eine halbe Autostunde nordöstlich von Erfurt. Der dort ansässige FSV 06 Kölleda ging nach der Wende aus der BSG Funkwerk Kölleda hervor. Zu Zeiten des DDR-Fußballs war Kölleda hauptsächlich in der drittklassigen Bezirksliga vertreten. Nach der Wende konnten die Fußballer aufgrund finanzieller Unterstützung des ortsansässigen Funkwerks noch eine Saison in der Oberliga spielen. Dann begann mit den finanziellen Schwierigkeiten des Geldgebers auch der Absturz des Vereins. Mit der Neugründung 2006 als FSV 06 Kölleda konnte sich der Fußball in der 6.400-Einwohner Stadt wieder einigermaßen konsolidieren. Inzwischen spielen die Kölledaer wieder in der Landesklasse Thüringen. Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportstätte liegt am Ortsrand von Kölleda und überzeugt sowohl durch eine überdachte Tribüne, als auch durch einen Sprecherturm mit Ergebnistafeln und einer Gaststätte im Eingangsbereich.

8. Sportplatz am Dohlenstein, BSG Chemie Kahla, Kapazität: 6.000 Zuschauer
Wer das Wappen der BSG Chemie Kahla sieht, der wird unweigerlich an das von Chemie Leipzig erinnert. So ganz erfolgreich waren die Kahlaer aus dem Umland von Jena zwar nicht, aber immerhin wurde am Dohlenstein in den 1950ern eine Saison DDR-Liga-Fußball zelebriert. Das wohl größte Spiel, das jemals in Kahla ausgetragen wurde, war sicher das DFB-Pokalspiel im Jahr 1991 gegen den Thüringer Landesrivalen Rot-Weiß Erfurt, das mit 1:4 verloren ging. Der Sportplatz am Dohlenstein überzeugt vor allem durch seine idyllische Lage an den amazonasartigen Windungen der Saale und dem Felsmassiv-Panorama. Vier Reihen Ausbau – teilweise mit Sitzbänken – und nette Details wie einer hölzernen Anzeigetafel runden das schöne Gesamtbild ab.

7. Stadion An Der Aue, FC Union Mühlhausen, Kapazität: 7.500 Zuschauer
An der Aue im westthüringischen Mühlhausen gab es einst ein echtes Fußball-Spektakel zu erleben. 1989 war im FDGB-Pokal Wismut Aue zu Gast. Die Mühlhäuser zwangen den Favoriten aus dem Erzgebirge bis ins Elfmeterschießen. Dort war erst nach einem Elfemeter-Marathon Schluss für die Unioner. 10:11 hieß es am Ende, es war das torreichste Spiel in der Geschichte des FDGB-Pokals. Heute spielt “Eisern Union” in der Landesklasse Thüringen. Das “Stadion an der Aue” ist eine wunderschöne alte Anlage im Grünen. Es hat rundum Ausbau zu bieten. Auf der Gegengerade sind es hölzerne Sitzbänke, auf der Hauptseite Parkbänke. Ein echter Hingucker ist der freistehende Sprecherturm auf der Hauptseite. Hier geht’s zum Reisebericht von Gotthilfs Besuch.

6. Wartburg-Stadion, FC Eisenach, Kapazität: 8.000 Zuschauer
Das Wartburg-Stadion in Eisenach hatte seinen wohl größten Fußballtag am 02. August 1971. Da spielte die Nationalmannschaft der DDR vor 9.000 Zuschauern gegen eine Auswahl aus dem Irak. Ansonsten schlummert das Stadion in der idyllischen Wartburg-Stadt vor sich hin. Der FC Eisenach als Nachfolger der BSG Motor Eisenach (als Betriebssportgemeinschaft des Eisenacher Automobilwerks) spielt heute ebenfalls in der Landesklasse Thüringen. Trotz der Tatsache, dass das Stadion um die Stehstufen seiner Gegengerade beraubt wurde, ist es dennoch ein Kleinod amateurfußballerischer Glückseligkeit. Die Haupttribüne ist eigentümlich mit gelbem Holz vertäfelt. Nebenan befindet sich ein massiver Sprecherturm aus Steinbrocken gemauert. Die Gegengerade ist nunmehr ein Graswall, der vereinzelt mit Parkbänken bestückt ist. Einen Besuch dort sollte man mit einer Stippvisite in der netten kleinen Innenstadt und einem Trip auf die über Eisenach thronenden Wartburg verbinden. Von dort oben genießt man einen tollen Blick über Stadt und Natur. Hier lang zu Gotthilfs Reisebericht.

5. Stadion Mittelwiese, EFC Ruhla, Kapazität: 5.000 Zuschauer
Tief im Thüringer Wald, eine halbe Autostunde südlich von Eisenach, liegt Ruhla. Ein kleines verwunschenes Städtchen im Wartburgkreis. Eigentlich ist Ruhla doch eher bekannt als Ausbildungsort für Skispringer, denn am Ortsrand steht eine Skisprunganlage. Doch auch Fußball wird gespielt und das zeitweise recht erfolgreich. Immerhin hat der Vorgängerverein des EFC, die TSG Ruhla, drei Saisons lang zweitklassigen DDR-Liga-Fußball geboten. Möglich machte das der Trägerbetrieb VEB Uhren- und Maschinenkombinat Ruhla. Uhren aus Ruhla waren und sind noch heute beliebte Exportprodukte aus der 5.500-Einwohner-Kleinstadt. Das Stadion Mittelwiese ist ein hübscher Schauplatz für Thüringer Amateurfußball. Empfangen wird man von einem schmiedeeisernen Torbogen mit der Aufschrift “Stadion EFC Ruhla”. Einzigartig ist wohl die Haupttribüne, die aus drei Reihen schier endlos aneinandergereihter Parkbänken besteht. Hinter einem der Tore schließt eine leicht vergilbte Mauer die Anlage ab, darauf prangen die Lettern “Ruhla grüßt seine Gäste”. Die ganze Anlage liegt idyllisch am Waldrand. Dort plätschert auch ein kleines Flüsschen den Berg hinab, der Erbstrom. Und der ist zeitgleich Namensgeber des EFC Ruhla. Das EFC steht für Erbstromtaler Fußballclub. Gotthilfs Reisebericht gibt es hier.

4. Wimaria-Stadion, FC Empor Weimar, Kapazität: 10.000
Das Wimaria-Stadion in Weimar könnte man als Monumentalbau bezeichnen. Aus wuchtigen Steinen ist es gemauert, hinter den Stehstufen schließt sich die Stadionregie an, die eher einer breiten Schiffs-Kommandobrücke gleicht. Der Kreisligist FC Empor Weimar trägt seine Heimspiele im wohl deutlich überdimensionierten Wimaria-Stadion aus, das fußläufig aus der wunderschönen Weimarer Innenstadt zu erreichen ist. So lohnt neben dem Stadiongang natürlich ein Besuch der vielen Sehenswürdigkeiten, allen voran natürlich das Weimarer Nationaltheater mit dem Goethe-Schiller-Denkmal.

3. Volkspark-Stadion, FSV Wacker 03 Gotha, Kapazität: 12.000 Zuschauer
Die schöne Residenzstadt Gotha hat neben dem Schloss, dem Schlossgarten und der hübschen Innenstadt noch eine weitere Sehenswürdigkeit zu bieten. Das Volksparkstadion im Norden der Stadt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stadien, die ich hier aufgelistet habe, ist es zwar moderner und noch recht neu. Aber die Größe des Stadions und sein Ausbau gäben dem Stadion durchaus die Möglichkeit, einen Drittligisten zu beherbergen. Der Heimverein FSV Wacker 03 Gotha spielt immerhin in der Landesklasse Thüringen. Vielleicht sind es die Bilder vor dem geistigen Auge, die den Reiz ausmachen. Bilder von einem ausverkauften Gothaer Volkspark-Stadion, in dem der Bär steppt. Vielleicht gibt es bald ja mal wieder ein Spiel in Gotha mit einem hohen Besucherandrang. Es wäre zu wünschen.

2. Stadion Am Göldner, BSV Eintracht Sondershausen, Kapazität: 5.700 Zuschauer
Im Norden Thüringens liegt die ehemalige Kalibergbau-Stadt Sondershausen. Der Förderung des Mineralsalzes hatte die Stadt zeitweise auch einen florierenden Fußball zu verdanken. Denn als Betriebssportgemeinschaft war der wirtschaftsstarke Kalibetrieb der Motor des Sondershausener Sports. Insgesamt sieben Jahre brachte BSG Glückauf Sondershausen in der zweitklassigen DDR-Liga zu. In den Derbys gegen Motor Nordhausen kamen teilweise bis zu 6.000 Zuschauer. Heute spielt der BSV Eintracht Sondershausen in der sechstklassigen Thüringenliga. Eine kleine Fanszene sorgt auf der Tribüne des Stadions am Göldner für Stimmung. Und diese Tribüne ist durchaus ein echtes Schmuckstück. Sie wirkt recht groß und ist sehr eng am Spielfeld. Dadurch kann man dem Fußballspiel auf dem Rasen exzellent folgen. Hinter einem der Tore schließen gemauerte Stehränge die Anlage ab. Insgesamt ein wirklich schönes Stadion.

  1. 1. Waldstadion im Kaffeetälchen, FSV Kali Werra Tiefenort, Kapazität: 8.000 Zuschauer
    Okay. Das kommt jetzt nicht wirklich überraschend. Aber wenn wir über die schönsten Stadien in Thüringen reden, kommen wir um das Waldstadion im Kaffeetälchen nicht herum. Gotthilf wird nicht müde zu betonen, dass die Riesen-Anlage mitten im Wald für ihn die Mutter aller Stadionperlen ist. Das Waldstadion im Kaffeetälchen ist die Heimat des Kreisligisten FSV Kali Werra Tiefenort. Doch für die Kreisliga ist das Stadion mit seinen hohen Stehtraversen und der Haupttribüne mit Holzbänken mitnichten gebaut worden. Die Tiefenorter gehörten damals noch unter dem Namen BSG Aktivist Kali Werra zum Establishment der DDR-Liga, das Kaffeetälchen war eine landesweit gefürchtete Festung mitten im Wald. Berühmtheiten wie Dariusz Wosz, Dirk Schuster, Jürgen Croy und Hans Meyer sind auf dem Tiefenorter Rasen aufgelaufen. Der 4.000-Einwohner-Ort am Werrastrand hatte eine absolute Fußball-Attraktion zu bieten. Unterhalten wurde die Betriebssportgemeinschaft vom Kali-Werk im benachbarten Merkers. Nach der Wende ist der Verein bis aktuell in die Kreisliga abgestürzt. Dennoch pflegen die eifrigen Tiefenorter den Verein und ihren Kultstatus. Das alles – wie gesagt – mitten im Wald. Mehr Idylle geht nicht.

Was sonst noch wäre: Es gibt ein paar Thüringer Stadionperlen, die selbst ein Gotthilf Habedurst noch nicht mit einem Kreuz versehen konnte. Dringend noch vorstellig werden muss der Nimmermüde in der Skatbank-Arena in Altenburg, im Fellberg-Stadion in Steinach, im Auenstadion Suhl, im Lost Ground “Manfred-von-Brauchitsch-Kampfbahn” in Rudisleben und einigen mehr. Ganz der Servicemann hat Gotthilf euch die schönsten Unbekannten der Thüringer Stadionlandschaft in eine Google-Karte zusammengepackt. Viel Spaß beim Stöbern und Weghoppen:

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